Späte Rache der Geknechteten? Nur für den Naiven bleibt die selbsternannte “Linke” ihrem Dogmatismus treu, enthält sich im dritten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl der Stimme und verhindert mit verschränkten Armen feixend Joachim Gauck, den ehemaligen Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Und nur der unbedarfte Wähler sieht darin eine offensichtliche Verstrickung zwischen Stasi und SED und PDS und wie-sie-alle-heißen, die mit dieser Nicht-Wahl nun überdeutlich geworden sei.
Denn die Entscheidung war für die sogenannte “Linke” nicht einfach: Merkel als oberste Frau aus dem Osten den eigenen Kandidaten weghauen oder halt dem ehemaligen Stasijäger endlich mal zeigen, von wessen Gnaden er wirklich abhängt, da kann die Linien-Objektivität schon mal schwanken. Aber trotz Groll aus alten Tagen und gerümpfter Nase über das Prozedere der Kandidatenfindung (ihr habt uns gar nicht gefragt, schnuff) obsiegte der Wille der “Linken” zur Regierungsfähigkeit: Egal, was sich Rote und Grüne bei diesem Kandidaten gedacht haben, wir erlauben unser aller Kanzlerin doch keine erneute Niederlage! Hoch-die-ostig-angegraute-Solidarität!
Ein Tor, der glaubt, diese Entscheidung sei strategisch einer der größten Fehler, den die “Linken” begehen konnten. Mag sein, dass gerade im Osten, wo diese Partei in manchen Städten immer noch regelmäßig mehr als 25% der Stimmen erhält, Gauck mehrheitlich beliebter war, als der konkurrierende Wessi aus Niedersachen. Möglich, dass nun Wechselwähler aus den Reihen der SPD besonders übel nehmen. Und gut möglich, dass manche die Regierungsfähigkeit dieser Partei maximal mit “bedingt einsatzfähig” neu justieren (um nicht das schöne Wort “beschränkt” zu verwenden, das auf den entsprechenden Geisteszustand womöglich eher zutrifft).
Aber das Gegenteil ist richtig. Zum ersten Mal zeigt diese Partei, dass sie auch mit der CDU und der FDP kann – was für die Zukunft ganz neue Koalitionen verspricht. Und gibt es keinen schöneren konservativen Bundespräsidenten, als einen von der “Linken” Gnaden? Es müssen genau diese perfiden Überlegungen die entscheidende Rolle bei der abgekarteten Wahl “in freier Entscheidung” gespielt haben, denn andere Gründe kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Irgend einen rationalen Grund muss es doch gegeben haben???
Freilich – da schwant einem für NRW nichts Gutes. Wie sollen auch Grüne und Rote mit einer “Linken” zusammenarbeiten, die ja bereits oft genug bewiesen hat, dass sie dogmatisch gesehen eher zu den Konservativen gehört? Wer sich zu weit nach links verortet, lugt bekanntlich zwangsläufig wieder aus der rechten Ecke hervor. Schön, dass wir diese Regel wieder einmal empirisch bestätigt sehen konnten.
Und ja, diese Partei ist entbehrlich.



