Als ich die FDP besiegte

Posted by Der heilige Administrator on Mai 9, 2010 at 10:37 pm.

Aus Anlass des Tages ein politisches Gedicht (beschwingt und zukunftsfroh vorzutragen):

Ist der Ruf erst ruiniert,
regiert es sich ganz ungeniert.
Doch jede noch so große Welle
kriegt am Ufer ihre Delle;
und zurück kriecht bleicher Schaum -
aus der Traum.

Kübel

Ein Kübel Häme. Foto: pilot_micha (cc-by-na)

Dass nach dem verheerendem Wahlergebnis in NRW nun kübelweise Häme über die dahinkeimende 18plus-Partei FDP ausgekippt wird ist wohlverdient und selbstverständlich. Endlich hat DER WÄHLER mal richtig entschieden und einen durchgedreht schneidig auftretenden Vice-Chancellor dahin verwiesen, wo ein solcher hingehört – an den Rand der 5-Prozent-Klausel, gleich neben einer nicht näher benannten Extremistenpartei mit ostdeutschem Stammwählerpotential. Die erste Reaktion der Berliner FDP-Zentrale war denn auch ein mit viel Timbre vorgetragener Bitterkeitsauswurf, in dem die Niederlage in NRW als “gemeinsam” zu bewältigender Schulterschluss bezeichnet wurde – als ob nicht jeder wüßte, dass diese Misere Berlin allein zu verantworten hat und von Vorwürfen Richtung Landespartei überhaupt keine Rede sein kann. Das kameradschaftliche Ausheulangebot war wohl eher der Versuch, nahe liegenden Schuldzuweisungen an den Großen Vorsitzenden vorzeitig die Spitze zu nehmen: sitzen wir nicht alle in einem (verdammt noch mal allzu löchrigen) Boot? (Schluchz! Heul! – und Abgang).
Schon doof für einen Mann wie Andreas Pinkwart, in den letzten Jahren eher alles richtig gemacht zu haben und dann im entscheidenden Moment doch in der falschen Partei zu sein.

Während also Angela auf dem Roten Platz zum 65. Jahrestages des Kriegsendes erstmals Nato-Truppen vorbeimarschieren sah, ließ Guido Westerwelle, also der – äh – Außenminister (?) zeitgleich in Berlin (!) nach Angaben eines Reporters “einen Hauch von Selbstkritik erahnen” (sic!) – was den Großen Vorsitzenden vermutlich mehr Selbstüberwindung gekostet hat als BP die ganze Saubermachaktion am Golf. Vermutlich wird es diese Partei aber wieder nicht schaffen, diesen Parteichef endlich in den unverdienten Ruhestand zu schicken.

Nur Bundesumweltminister Röttgens wird sich heimlich gefreut haben – denn sein ohnehin recht scheinheiliges Bauvorhaben mit Brückentechnologie hat mit dem Verlust der Bundesratsmehrheit einen jähen Baustopp erfahren: Die Laufzeitverlängerung ist vom Tisch und die Aktien der Stromkonzerne dürften morgen etwas fallen.

Es ist schon erstaunlich, was ein, zwei, drei Artikel in einem bescheidenen Blog alles anrichten können. Komisch nur, dass die Reissäcke dieser Welt ausgerechnet immer in der Heldenstadt Leipzig umfallen.

Und die anderen Parteien? Grüne wie immer oben auf, CDU abgewatscht, SPD “wieder da” (auch wenn man bei der SPD wohl eher von einer “technischen Erholung” nach überzogenen Leerverkäufen sprechen muss).  Und dann haben es wohl auch Oskars Erben geschafft. Hauchdünn, aber drin. Es wird wohl langsam Zeit, sich in diesem Blog mal um die selbsternannte und gleichermaßen selbstgerechte “Linke” zu kümmern.
Ich stell’ schon mal den Reissack raus.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.