Die Grundschule unseres Kleinen liegt gleich um die Ecke, am Rande eines architektonisch sehr schönen Viertels mit angrenzendem Park, und doch ist alles nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Soweit die gute Nachricht. Leider ergibt sich die schlechte direkt daraus: Die Wohnungen sind relativ begehrt, die Mieten entsprechend hoch und die lieben Mitbewohner in der Regel keine Kunden der Sparkasse. Das Ergebnis ist eine überdurchnittlich hohe Chayenne-Dichte, von den Touaregs, Q3 und Q5 gar nicht erst zu reden.
Nun ist die Welt voll von a-sozialen Menschen ohne Empathiefähigkeit (sozial = “Ausdruck wechselseitiger Bezüge als Grundbedingtheit des Zusammenlebens”. Wer einmal einen 7jährigen vor dem Kühlergrill eines solchen Ego-Geräts stehen sah, weiß was ich meine). Sie bilden keine Mehrheit, sonst hätte die Menschheit die letzten 10.000 Jahre wohl nicht überlebt, aber in geballter Form nerven sie schon. Warum kam noch kein Stadtplaner auf die Idee, solchen “Ich-fühl-mich-sicherer-so”-Menschen spezielle Reservate mit künstlichen Dünen, Schlammlöchern und Schotterpisten am Stadtrand anzulegen, gleich mit Reihenhaus, Doppelgarage und Hundezwinger anbei? Quasi als Komplett-Wohlfühlpaket mit besonders günstigen Finanzierungsangeboten aber mit der einschränkenden Klausel, bitte dort draußen unter sich zu bleiben?

SUV in der Großstadtwüste auf dem Weg zum örtlichen Kindergarten. Foto: beedubz
Denn eigentlich scheint es unerklärlich, wozu man so ein Fahrgetüm inmitten einer landschaftlich flachen Tieflandsregion ohne größere Wanderdünen wohl brauchen könnte – wenn nicht jeden Mittwoch an genau der oben erwähnten Grundschule in unserem hübschen Sprengel der “Heute-retten-wir-die-Erde-Tag” stattfinden würde.
Wer es als grenzwertig empfindet, sein Kind jeden Morgen die 300 Meter durch die Unwägbarkeiten stiller Nebenstraßen und die Zumutungen ungefilterter Außenluft bis genau vor die Eingangstür der Schule zu kutschieren erfährt mit dem “Heute-retten-wir-die-Erde-Tag” wenigstens einmal in der Woche eine rationale Rechtfertigung: Die Schule sammelt Altpapier, für jedes Kilo gibt es einen blauen (sic!) Tannenbaum-Stempel in das Kindlein-Umwelt-Buch und am Ende des Jahres winken für die besten UmweltaktivistInnenen praktische Urkunden auf garantiert chlorfreiem Papier.
So lernen die Kinderlein schon frühzeitig, dass sich Einsatz schwerster Technik für den Umweltschutz auch persönlich rechnet. Wir wir schon ahnten: Klimawandel? Wir machen mit!
PS: Heute schon das Joghurtbecherdeckelchen fein säuberlich abgetrennt und brav in die Geschirrspülmaschine gelegt?
Foto: beedubz CC BY-NC-SA 2.0


