Sarah Wagenknecht tat es noch nie, der Rest der Linksfraktion macht es dafür gemeinsam, die Bundeskanzlerin macht es heimlich, der Guido macht es (selbstverständlich) und seit einem knappen Jahr sucht nun auch Der_Fuehrer sein Heil im microblogging: „Gäbe mir mein Raichsministär däs Aoswärtigen solche Widärworte wie diesär Wästerwelle, wäre är längst an där Ostfront“, kommentierte der Nicht-Tot-Zu-Kriegende den jüngsten Schlagabtausch in der deutschen Hauptstadt per twitter.
Was in myspace begann, wo Luhmann, Darwin, Derrida, Parsons, Husserl, Adorno und natürlich Habermas jederzeit fröhliche Kommentare zum Weltgeschehen abgeben und sich gegenseitig höflichst der fachlichen Inkompetenz verdächtigen, scheint sich nun bei twitter fortzusetzen: Die freundliche Übernahme einer einstürzenden Kommunikationsruine. Das Jenseits ist auch nicht mehr das, was es mal zu werden versprach.
Nur – was der Bundeskanzlerin anscheinend dämmert, Sarah Wagenknecht schon immer ahnte und Franz Münterfering konsequent beendete („Jetzt ist aber wirklich Schluss. Twitter ist Mist“) scheint der gefühlten Mehrheit des Deutschen Bundestages leider entgangen zu sein: Twitter ist nicht nur Mist, sondern vor allem peinlich. Eigentlich will man gar nicht genau wissen, wie viele MdB-Mitarbeiter für wie viel Geld dazu gezwungen werden, einer vermeintlich jugendlichen Zielgruppe die hehren Ziele ihrer jeweiligen DienstherrInnen per Dummzwitscher („bin gerade im Plenum und studiere die Druckvorlage 5A23/09 – viel Text“) nahe zu bringen. Das Prinzip Twitter war der schale Versuch, mit Satzhülsen im 256-Zeichen-Format eine verloren geglaubte Zielgruppe zu erreichen – dabei ist es nicht viel mehr als das virtuelle Arschgeweih der selbst ernannten Netgeneration.
Die Fakten sind leider gnadenlos. Guido hat 1500 Follower (immerhin mehr als die gesamte Linksfraktion), Dieter Bohlen „dirtydieter“ 5800, Münte 6500 (obwohl er gar nix mehr schreibt und die ganze Sache doof findet) – und doch werden sie alle getoppt vom Fuehrer und seinen Ergüssen, die immerhin 9600 Menschen verfolgen.
Zugegeben, sein erstes Zwitschern an einem schönen Nachmittag im März 2009 („Demnächst folgen mirrr alle“) hat sich nicht so recht erfüllt, aber was will er auch gegen eine Britney Spears (71.500 followers) oder Lance Armstrong (65.000) ernsthaft unternehmen in unübersetzbarem Deutsch? 26. Januar 2010: „Habe Eva gäsagt, ich hätte mir eine Fröjahrsdäprässion eingefangän. Alläs om mich härum wäre so braun. Das Wortspiel bämärkt sie nicht.“
Wie auch – sie twittert ja (noch) nicht.


