Category Archives: Karriere

Staatstragende “Linke” retten Merkel

Späte Rache der Geknechteten? Nur für den Naiven bleibt die selbsternannte “Linke” ihrem Dogmatismus treu, enthält sich im dritten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl der Stimme und verhindert mit verschränkten Armen feixend Joachim Gauck, den ehemaligen Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Und nur der unbedarfte Wähler sieht darin eine offensichtliche Verstrickung zwischen Stasi und SED und PDS und wie-sie-alle-heißen, die mit dieser Nicht-Wahl nun überdeutlich geworden sei.

Denn die Entscheidung war für die sogenannte “Linke” nicht einfach: Merkel als oberste Frau aus dem Osten den eigenen Kandidaten weghauen oder halt dem ehemaligen Stasijäger endlich mal zeigen, von wessen Gnaden er wirklich abhängt, da kann die Linien-Objektivität schon mal schwanken. Aber trotz Groll aus alten Tagen und gerümpfter Nase über das Prozedere der Kandidatenfindung (ihr habt uns gar nicht gefragt, schnuff) obsiegte der Wille der “Linken” zur Regierungsfähigkeit: Egal, was sich Rote und Grüne bei diesem Kandidaten gedacht haben, wir erlauben unser aller Kanzlerin doch keine erneute Niederlage! Hoch-die-ostig-angegraute-Solidarität!

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Links ist, wo das Herz schlägt und der Verstand nichts zu sagen hat. Foto: chris9773 (cc-na-by)

Ein Tor, der glaubt, diese Entscheidung sei strategisch einer der größten Fehler, den die “Linken” begehen konnten. Mag sein, dass gerade im Osten, wo diese Partei in manchen Städten immer noch regelmäßig mehr als 25% der Stimmen erhält, Gauck mehrheitlich beliebter war, als der konkurrierende Wessi aus Niedersachen. Möglich, dass nun Wechselwähler aus den Reihen der SPD besonders übel nehmen. Und gut möglich, dass manche die Regierungsfähigkeit dieser Partei maximal mit “bedingt einsatzfähig” neu justieren (um nicht das schöne Wort “beschränkt” zu verwenden, das auf den entsprechenden Geisteszustand womöglich eher zutrifft).
Aber das Gegenteil ist richtig. Zum ersten Mal zeigt diese Partei, dass sie auch mit der CDU und der FDP kann – was für die Zukunft ganz neue Koalitionen verspricht. Und gibt es keinen schöneren konservativen Bundespräsidenten, als einen von der “Linken” Gnaden? Es müssen genau diese perfiden Überlegungen die entscheidende Rolle bei der abgekarteten Wahl “in freier Entscheidung” gespielt haben, denn andere Gründe kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Irgend einen rationalen Grund muss es doch gegeben haben???

Freilich – da schwant einem für NRW nichts Gutes. Wie sollen auch Grüne und Rote mit einer “Linken” zusammenarbeiten, die ja bereits oft genug bewiesen hat, dass sie dogmatisch gesehen eher zu den Konservativen gehört? Wer sich zu weit nach links verortet, lugt bekanntlich zwangsläufig wieder aus der rechten Ecke hervor. Schön, dass wir diese Regel wieder einmal empirisch bestätigt sehen konnten.

Und ja, diese Partei ist entbehrlich.

FDP: Die Hosen bleiben unten!

Kaum kommt der FDP-Vorsitzende nach einer anstrengenden Südamerika-Reise und deprimierenden Umfrageergebnissen wenigstens etwas zur Ruhe und mimt nun kurz vor den NRW-Wahlen (vermutlich auf Anraten einer hyperventilierenden PR-Beraterin) den nachdenklichen Außenpolitiker, schon übernimmt der nächste FDP-Barde das medientaktische Ruder: Wolfang Kubicki, nach Angaben der ZEIT (Nr. 12, S. 17) “Heckenschütze, Strippenzieher, Machtmensch” in einer Person, erklärt öffentlich den einfachen Menschen und Journalisten (was nicht das Gleiche ist) die Berliner Lage. Warum er immer noch in Schleswig-Holstein herumhängt und noch nicht in Berlin sei? “Ich würde in Berlin zumTrinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock“, erläutert er erschrocken um sich blickenden ZEIT-Lesern, aber das war nur die Einleitung. Schon plaudert Wolfgang Kubicki aus dem Nähkästchen: “Das politische Leben in Berlin sieht doch so aus: Sie sind den ganzen Tag unter Druck, abends wartet Ihr Apartement auf Sie, sonst niemand. Es gibt einen enormen Frauenüberschuss, denn wenn Sie den gesamten Politikbetrieb nehmen, kommen Sie auf schätzungsweise 100 000 Leute, in Parlament, Regierung, Verwaltung, Botschaften, Verbänden und Medien, davon 60 Prozent Frauen. Ich weiß doch, wie das läuft: Da sind dann diese Abende, an denen Sie nur abschalten wollen, Stressabbau. Da sitzt Ihnen plötzlich eine Frau gegenüber, die Ihnen einfach nur zuhört. Und dann geht die Geschichte irgendwann im Bett weiter. Dazu der Alkohol: Sie könnten, weil Sie ständig in Terminen sind, den ganzen Tag trinken. Eine Flasche Wein ist da gar nichts, leicht zu verteilen auf fünf.”

Foto_by_gholzer_CC

Berliner Demokratie: Reden wir doch mal wieder über die menschlichen Seiten liberaler Selbstaufopferung (Foto: gholzer CC)

WOW!
So läuft das also in Berlin. So funktioniert die parlamentarische Demokatie zwischen Verteidigung derselben auf den Höhen des Hindukusch und dritter Lesung der 34. Novelle des Gesetzes zur Neuordnung des Raumwesens im Bereich zwangsrückzuführender Behälter schwach radioaktiven Abfalls aus grundwasserverseuchten Kleinstlagerstätten (Sitzungsgeld nur bei Anwesenheit).
Ruhig Blut, mag sich da der geneigte und frisch habilitierte ZEIT-Leser in seinem Lorenzo-Wellness-Stuhl gedacht haben, das zählt sicher unter Professionalisierung von Politik (Luhmann!), das haben wir doch mal gelernt, Strukturbildung halt, non-intended outputs einer zu konzentriert an einem Ort gehaltenen Spezies mit raubtierhaft-charismatischem Verhalten (Weber!), Verluste inklusive. Kein Grund zur Aufregung, hinzunehmende Collateralschäden eines gut geschmierten und daher einfach zu gut funktionierenden Politikbetriebes. So what?

Foto_by_Edwin_Land

Wir saufen uns zu Tode für Euch: Mini-Bar gestresster FDP-Politiker? (Foto: Edwin Land, CC)

Schauen wir auf das Timing: Der große Vorsitzende ist in größten Nöten, die FDP hat ein all zu offen liegendes Glaubwürdigkeitsproblem und überhaupt läuft es in Berlin gerade ausgesprochen schlecht. Auf einen Satz gebracht: Die Lage kurz vor den Wahlen in NRW ist schlicht und ergreifend katastrophal. Was liegt näher, als einen alten SMS-Kumpel in die Bresche zu schieben, der zudem die ganze Berliner Parlaments-Chose in ein augenzwinkerndes Licht rückt? Der die Koalition quasi als Opfer der eigenen professionellen Autopoiesis (was schert uns Redundanz) des Politischen Systems erklärt und den Geist als bekanntlich willig, aber das Fleisch als (wie wir schon ahnten) schwach vorfindet? Wer werfe hier den ersten Stein? Haben nicht alle männlichen Parlamentarier diese herzzereißenden Probleme (von den weiblichen, die ja – wie wir nun wissen – in Berlin die Mehrheit bilden, gar nicht zu reden)? Hurenböcke und Alkoholleichen, wohin das Auge blickt? Und – mal Hand aufs Herz – ist es nicht viel schöner, über die menschlichen Seiten getresster Alpha-Tierchen zu reden als ständig über zweifelhafte Steuergeschenke, Kopfpauschalen und einen FDP-Wirtschaftsminister, dessen Ministerum man vermutlich abschaffen könnte, ohne dass es irgend jemandem im Lande auffallen würde?
Die ironische Pointe des ZEIT-Interview ensteht aber erst dadurch, dass in der gleichen Ausgabe der Kolumnist Harald Martenstein den heutigen Niedergang des politischen Kabaretts behauptet: “Es war [früher - d.A.] bestimmt eine heiße Sache, wenn im Kabarett auf Willy Brandts Frauen- oder Straußens Alkoholkonsum angespielt wurde, weil das für die Presse Tabuthemen waren. Inzwischen steht dieser Kram doch längst in der Zeitung. (…) Es gibt keine Fallhöhe mehr, von der ein Kabarettist profitieren könnte. Bunte killed the Kabarett-Star.”
Oh nein, Herr Martenstein, es ist viel schlimmer. Nicht die Bunte ersetzt das Kabarett, es ist bereits die ZEIT selbst in netter Vertrautheit mit einer verzweifelten FDP, die in schonungsloser Enthüllungspraktik die Hosen der Politiker unten belässt.
Nur dass dieser Anblick keinen einzigen Lacher mehr hervorruft. Schade eigentlich.

Fotos: Edwin Land und gholzer CC BY-NC-SA 2.0

Kaum kommt der FDP-Vorsitzende nach einer anstrengenden Südamerika-Reise und deprimierenden Umfrageergebnissen wenigstens etwas zur Ruhe und mimt nun kurz vor den NRW-Wahlen (vermutlich

auf Anraten einer hyperventilierenden PR-Beraterin) den nachdenklichen Außenpolitiker, schon übernimmt der nächste FDP-Barde das medientaktische Ruder: Wolfang Kubicki, nach Angaben der

ZEIT (Nr. 12, S. 17) “Heckenschütze, Strippenzieher, Machtmensch” in einer Person, erklärt öffentlich den einfachen Menschen und Journalisten (was nicht das Gleiche ist) die Berliner

Lage. Warum er immer noch in Schleswig-Holstein herumhängt und noch nicht in Berlin sei? “Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock”, erläutert er erschrocken

um sich blickenden ZEIT-Lesern, aber das war nur die Einleitung. Schon plaudert Wolfgang Kubicki aus dem Nähkästchen: “Das politische Leben in Berlin sieht doch so aus: Sie sind den

ganzen Tag unter Druck, abends wartet Ihr Apartement auf Sie, sonst niemand. Es gibt einen enormen Frauenüberschuss, denn wenn Sie den gesamten Politikbetrieb nehmen, kommen Sie auf

schätzungsweise 100 000 Leute, in Parlament, Regierung, Verwaltung, Botschaften, Verbänden und Medien, davon 60 Prozent Frauen. Ich weiß doch, wie das läuft: Da sind dann diese Abende,

an denen Sie nur abschalten wollen,Stressabbau. Da sitzt Ihnen plötzlich eine Frau gegenüber, die Ihnen einfach nur zuhört. Und dann geht die Geschichte irgendwann im Bett weiter. Dazu

der Alkohol: Sie könnten, weil Sie ständig in Terminen sind, den ganzen Tag trinken. Eine Flasche Wein ist da gar nichts, leicht zu verteilen auf fünf.”
WOW.
So läuft das also in Berlin. So funktioniert die parlamentarische Demokatie zwischen Verteidigung derselben auf den Höhen des Hindukusch und dritter Lesung der 34. Novelle des Gesetzes

zur Neuordnung des Raumwesens im Bereich zwangsrückzuführender Behälter schwach radioaktiven Abfalls aus grundwasserverseuchten Kleinstlagerstätten (Sitzungsgeld nur bei Anwesenheit).

Ruhig Blut, mag sich da der geneigte und frisch habilitierte ZEIT-Leser in seinem Lorenzo-Wellness-Stuhl gedacht haben, das zählt sicher unter Professionalisierung von Politik, das haben

wir doch mal gelernt, Strukturbildung halt, non-intended outputs einer zu konzentriert an einem Ort gehaltenen Spezies mit raubtierhaft-charismatischem Verhalten (Weber!), Verluste

inklusive. Kein Grund zur Aufregung, hinzunehmende Collateralschäden eines gut geschmierten und daher einfach zu gut funktionierenden Politikbetriebes. So what?

Schauen wir auf das Timing: Der große Vorsitzende ist in größten Nöten, die FDP hat ein all zu offen liegendes Glaubwürdigkeitsproblem und überhaupt läuft es in Berlin gerade

ausgesprochen schlecht. Auf einen Satz gebracht: Die Lage kurz vor den Wahlen in NRW ist schlicht und ergreifend katastrophal. Was liegt näher, als einen alten SMS-Kumpel in die Bresche

zu schieben, der zudem die ganze Berliner Parlaments-Chose in ein augenzwinkerndes Licht rückt? Der die Koalition quasi als Opfer der eigenen professionellen Autopoiesis (was schert uns

Redundanz) des Politischen Systems erklärt und den Geist als bekanntlich willig, aber das Fleisch als (wie wir schon ahnten) schwach vorfindet? Wer werfe hier den ersten Stein? Haben

nicht alle männlichen Parlamentarier diese herzzereißenden Probleme (von den weiblichen, die ja – wie wir nun wissen – in Berlin die Mehrheit bilden, gar nicht zu reden)? Hurenböcke und

Alkoholleichen, wohin das Auge blickt? Und – mal Hand aufs Herz – ist es nicht viel schöner, über die menschlichen Seiten getresster Alpha-Tierchen zu reden als ständig über zweifelhafte

Steuergeschenke, Kopfpauschalen und einen FDP-Wirtschaftsminister, dessen Ministerum man vermutlich abschaffen könnte, ohne dass es irgend jemandem im Lande auffallen würde?

Die ironische Pointe des ZEIT-Interview ensteht aber erst dadurch, dass in der gleichen Ausgabe der Kolumnist Harald Martenstein den heutigen Niedergang des politischen Kabaretts

behauptet: “Es war (früher – M.G.) bestimmt eine heiße Sache, wenn im Kabarett auf Willy Brandts Frauen- oder Straußens Alkoholkonsum angespielt wurde, weil das für die Presse Tabuthemen

waren. Inzwischen steht dieser Kram doch längst in der Zeitung. (…) Es gibt keine Fallhöhe mehr, von der ein Kabarettist profitieren könnte. Bunte killed the Kabarett-Star.”
Oh nein, Herr Martenstein, es ist viel schlimmer. Nicht die Bunte ersetzt das Kabarett, es ist bereits die ZEIT selbst in netter Zweisamkeit mit einer verzweifelten FDP, die in schonungsloser Enthüllungspraktik die Hosen der Politiker unten belässt.
Nur dass dieser Anblick keinen einzigen Lacher mehr hervorruft.

Sachsen-CDU: Wer hat, dem wird gegeben

Ich kann die Grünen in Sachsen nicht verstehen: Da regt sich Antje Hermenau darüber auf, dass die CDU auf ihrer Veranstaltung “Denkfabrik Sachsen” Standgebühren von Firmen für eine Selbstpräsentation nimmt, wobei dann bei genügend hoher Zuzahlung auch das ein oder andere Wort mit dem CDU-Vorsitzenden Tillich (aber nicht mit dem Ministerpräsidenten Tillich!) möglich ist. Ja und?

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mittenmang (Originalfoto: tgoldkamp unter CC-Lizenz s.u., Beschriftung: online-Planspiel)

Hat nicht der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer ausführlich erläutert, erstens habe man das schon immer so gemacht und zweitens ist die CDU Sachsen so arm, dass sie sich sonst so einen tollen Kongress gar nicht leisten könne?
Was man schon immer so gemacht hat, geht bei Konservativen bekanntlich automatisch in Gewohnheitsrecht über. Das liegt sozusagen in deren Genen, dagegen kann man nichts machen. Und zweitens ist die arme Sachsen-CDU praktisch pleite, vermutlich weil sie nach dem Notverkauf der Landesbank durch irgend einen Ministerpräsidenten ihre gesamten Ersparnisse heimlich dem Landeshaushalt 2010 gespendet hat, der z.B. bei den Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe mal fix um 30 % reduziert werden soll. Was können die Grünen nur dagegen haben, wenn die CDU nun über solche “Standgebühren” den Unternehmern Zaster abknöpft, um damit z.B. die Jugendhilfe etwas aufzupeppen? Das hat übrigens auch nichts mit Ungleichheit der Parteien zu tun. Die Grünen könnten das ja auch so machen – nur stellen sie halt nicht den Ministerpräsidenten und keine einzige Firma würde bei denen 8000 € für einen Stand bezahlen. Tja – aber dafür kann ja wohl die CDU nix!
Was? Die Firmen können diese Gebühren als Ausgaben von der Steuer absetzen? Und die CDU hat auch nicht für den klammen Haushalt gespendet, sondern im Grunde durch diese Praxis das Steueraufkommen Sachsens sogar verkleinert bzw. in die Parteikasse umgelenkt? Und das ist alles legal?
Seltsam. Erinnert mich an irgendwas.
Kennt man eigentlich die Namen der holden Spender?

Foto: tgoldkamp CC BY-NC-SA 2.0

Wenn Audi über den Staat lästert

Es ist ja nicht so, dass die Autoindustrie den ambitionierten staatlichen Klimaschutzmaßnahmen unserer Klimaschutzkanzlerin (Stichwort Grönland-Reise)  tatenlos zusieht. Nein, sie verspricht jede Menge Elektro-Autos, eröffnet eco-Baureihen und in deutschen Werbeclips fahren die Autos immer öfter entlang blühender Wiesen und grünender Wälder. Was macht man nicht alles, um die zunehmend verblödende Öko-Mittelschicht zum Kauf eines übermotorisierten Premiummodells zu überreden: Des’ Brot ich eß, des’ Lied ich sing!

Aber was wir schon ahnten – die Wandlung vom Saulus zum Paulus ist eine biblische Geschichte und möglicherweise schlicht erfunden. Klimaschutz? Brauchen wir nicht, wir bauen schon längst die Autos von übermorgen. Staatlicher Klimaschutz? Einfach nur lächerlich. Und worauf dieser ganze lästige, hysterische Gesetzkram hinausläuft, posaunt Audi nun unverhohlen auf dem amerikanischen Markt hinaus:

Klasse gemacht, Geld spielte mal wieder keine Rolle. Aber müssen wir uns hier nicht auch besorgt fragen, ob Audis PR-Abteilung noch alle Tassen im Schrank hat und sich künftig tatsächlich allein auf das trotzige, jungliberale Milieu von Möchtegern-Eliten konzentrieren will, denen spätrömische Dekadenz ein Graus ist, es sei denn, man gelangt auf einer vierspurigen Autostrada ohne Tempolimit dorthin?
„Wir sind keine Sozialhilfestation, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen“, meinte denn auch der neue Audi-Chef Rupert Stadler zum Thema CO2-Begrenzungen. Uhuh.
Was der gute Mann natürlich stillschweigend ignoriert: Was wäre Audi ohne Dienstwagenprivileg, also der vollständigen Steuerfinanzierung von Firmenwagen, und den vielen anderen staatlichen Unterstützungen für die Vierradindustrie? Wäre Audi dann immer noch ein Wirtschaftsunternehmen oder doch schon eher ein Fall für die Sozialhilfestation? Warum den Mann nicht beim Wort nehmen und ab sofort alle staatlichen direkten und indirekten Subventionen weglassen, ein ureigenes Thema der FDP übrigens (wie wir schon wieder ahnten)? Zumal die Firma staatlichen Umweltschutz so offenkundig überflüssig findet.

Tz, tz, tz Audi, man spuckt doch nicht auf die Hand, die einen füttert…

…und Eva sagt, ich habe immer noch Mundgeruch!

Sarah Wagenknecht tat es noch nie, der Rest der Linksfraktion macht es dafür gemeinsam, die Bundeskanzlerin macht es heimlich, der Guido macht es (selbstverständlich)  und seit einem knappen Jahr sucht nun auch Der_Fuehrer sein Heil im microblogging: „Gäbe mir mein Raichsministär däs Aoswärtigen solche Widärworte wie diesär Wästerwelle, wäre är längst an där Ostfront“, kommentierte der Nicht-Tot-Zu-Kriegende den jüngsten Schlagabtausch in der deutschen Hauptstadt per twitter.

Freundliche Übernahme einer Kommunikationsruine (http://twitter.com/der_fuehrer)

Was in myspace begann, wo Luhmann, Darwin, Derrida, Parsons, Husserl, Adorno und natürlich Habermas jederzeit fröhliche Kommentare zum Weltgeschehen abgeben und sich gegenseitig höflichst der fachlichen Inkompetenz verdächtigen, scheint sich nun bei twitter fortzusetzen: Die freundliche Übernahme einer einstürzenden Kommunikationsruine. Das Jenseits ist auch nicht mehr das, was es mal zu werden versprach.
Nur – was der Bundeskanzlerin anscheinend dämmert, Sarah Wagenknecht schon immer ahnte und Franz Münterfering konsequent beendete („Jetzt ist aber wirklich Schluss. Twitter ist Mist“) scheint der gefühlten Mehrheit des Deutschen Bundestages leider entgangen zu sein: Twitter ist nicht nur Mist, sondern vor allem peinlich. Eigentlich will man gar nicht genau wissen, wie viele MdB-Mitarbeiter für wie viel Geld dazu gezwungen werden, einer vermeintlich jugendlichen Zielgruppe die hehren Ziele ihrer jeweiligen DienstherrInnen per Dummzwitscher („bin gerade im Plenum und studiere die Druckvorlage 5A23/09 – viel Text“) nahe zu bringen. Das Prinzip Twitter war der schale Versuch, mit Satzhülsen im 256-Zeichen-Format eine verloren geglaubte Zielgruppe zu erreichen – dabei ist es nicht viel mehr als das virtuelle Arschgeweih der selbst ernannten Netgeneration.
Die Fakten sind leider gnadenlos. Guido hat 1500 Follower (immerhin mehr als die gesamte Linksfraktion), Dieter Bohlen „dirtydieter“ 5800, Münte 6500 (obwohl er gar nix mehr schreibt und die ganze Sache doof findet) – und doch werden sie alle getoppt vom Fuehrer und seinen Ergüssen, die immerhin 9600 Menschen verfolgen.
Zugegeben, sein erstes Zwitschern an einem schönen Nachmittag im März 2009 („Demnächst folgen mirrr alle“) hat sich nicht so recht erfüllt, aber was will er auch gegen eine Britney Spears (71.500 followers) oder Lance Armstrong (65.000) ernsthaft unternehmen in unübersetzbarem Deutsch? 26. Januar 2010:  „Habe Eva gäsagt, ich hätte mir eine Fröjahrsdäprässion eingefangän. Alläs om mich härum wäre so braun. Das Wortspiel bämärkt sie nicht.“
Wie auch – sie twittert ja (noch) nicht.

Neue Studentenausweise an der Humboldt-Universität (gold card hu200)

Stino-Card

Entwurf der neuen Studierendenkarte für Normalstudierende mit Lecker-Essenfunktion

Schon seit längerem droht auch der Humboldt-Universität zu Berlin der Status einer EXZELLENTEN Universität. Der RCDS der HU hat daher schon im Dezember 2009 (!)  die Einführung eines elektronischen “Studentinnenausweises im Scheckkartenformat” gefordert, mit der man nicht nur essen, sondern auch Bus fahren und andere tolle Sachen machen kann.
Zwar hätte man von einer künftig EXZELLENTEN Universität so etwas schon viel eher erwarten können, aber dafür machen es die Berliner nun richtig: Neben einer normalen Studierenden Card mit der üblichen Essensfunktion soll für zahlende Studierende auch das ein oder andere Extra verfügbar sein.

gold card hu200

Die gold card hu200 mit vielen nützlichen Extras

Die gold card hu200 wird von den Befürwortern als sinnvoller Ausweg zur Eigenfinanzierung ohne Studiengebühren gesehen, ist doch die Inanspruchnahme vollkommen freiwillig. Auch sind die Extras einzeln oder als Bundle buchbar, allerdings standen die jeweiligen Preise zu Redaktionsschluss noch nicht endgültig fest.

CALL A BOOK ist als Basisdienst gedacht und ermöglicht es den Studierenden, per SMS beliebig viele Bücher in die Eigentumswohnung am Prenzlauer Berg zu ordern. Der Bringdienst der Hauptbibliothek hat selbstverständlich 24 Stunden geöffnet und garantiert Servicezeiten von maximal 45 Minuten, bei Zahlung eines optionalen Expresszuschlags auch darunter. Organisiert wird dieser Service von mittelosen Normalstudierenden, die auf diese Weise Anrechtspunkte für eine eigene gold card erarbeiten können.

Das Extra PERSÖNLICHER TUTOR erklärt sich selbst: Zur gesamten Laufzeit steht den Studierenden in einem Fach ihrer Wahl ein erfahrender Tutor (Abschluss: Promotion oder höher) mit Rat und Tat zur Seite. Ein 24-Stunden-Call&Come-Service ist hier ebenso selbstverständlich wie das kurzfristige Überarbeiten umfangreicher Hausarbeiten oder Referate.

Der LIMO-SERVICE hingegen dürfte wohl nur etwas für GaststudentInnen aus München oder Hamburg sein. Er wirkt insgesamt doch etwas peinlich, zumal die Fahrer die strikte Anweisung haben, ihre Fahrgäste bis direkt vor den Hörsaaleingang zu chauffieren. Attraktivität gewinnt dieses Angebot jedoch dadurch, dass mit jeder Fahrt  automatisch drei nebeneinanderliegende Sitzplätze in der ersten Reihe eines Hörsaales reserviert werden.

Der exklusive PROFESSOREN-CALL ist nur als Bundle mit dem PERSÖNLICHEN TUTOR wählbar: Zwar darf man seine Professoren jederzeit anrufen und nach Hause bitten, doch muss man damit rechnen, dass an Stelle des Professors dann doch nur der Tutor kommt. An diesem Service könnte noch gearbeitet werden, daher wird es hierbei noch längere Zeit Rabatte geben.

Das Extra FREIE PRÜFUNGSWAHL gehört ebenfalls zu den Basisfunktionen. Über ein Onlinebuchungssystem können sich Studierende mit ihrer gold-card-hu200 – ID problemlos einen Prüfungstermin ihrer Wahl sichern, wobei gold-card-InhaberInnen prinzipiell über einen Freiversuch zusätzlich verfügen. Die FREIE PRÜFUNGSWAHL FLAT mit beliebig vielen Freiversuchen wurde leider aus organisatorischen Gründen nicht umgesetzt.

In heftiger Diskussion befindet sich noch der BEGLEITSERVICE für gold-card-hu200-InhaberInnen, da mit Einführung dieses Extras Proteste bei den Normalstudierenden erwartet werden: Weil in Ermangelung genügend Freiwilliger die Studienordnung für Nichtzahlende (Stino-Studordng.pdf) auch verpflichtende Einsätze für diesen Service vorsieht, könnte es hierbei zu blamablen Szenen kommen, die auch durch Inaussichtstellung einer eigenen gold-card (Basisdienste) kaum zu verhindern wären.  Ungeachtet dessen wird sich dieses Extra sicherlich zu einem der beliebtesten entwickeln.

Insgesamt hat hier die EXZELLENZ-HU ein hübsches Paket geschnürt, das in seiner Einfachheit besticht. Es könnte zudem Signalwirkung haben für andere EXZELLENZ-UNIS, die sich mit solchen Angeboten effizient und wirkungsvoll vom schäbigen Rest der Republik weiter distanzieren können: Nach uns die Sintflut der schnöden Lehre! Vorwärts zur liberalen Bildungsoffensive! Auf dass es EXZELLENZ werde!

Grundwissen – stimmts?

Die Top-Ten der beliebten Reihe “Stimmts?” von Christoph Drösser in der ZEIT bietet immer wieder Überaschungen. Vielleicht sollte man die Liste in den unabdingbaren Bildungskanon neben Goethes Faust und Kohls geschicktes Händchen zur Deutschen Einheit aufnehmen:

  1. Sekt bleibt länger frisch, wenn man einen Löffel (wahlweise Silber-) hineinhängt (stimmt nicht!)
  2. Haare wachsen besser, je öfter man sie schneidet (stimmt nicht!)
  3. Kaffee senkt den Flüssigkeitsspiegel im Körper (stimmt nicht!)
  4. Mit einem Kupfernagel kann man Bäume sterben lassen (stimmt nicht!)
  5. In der Badewanne kann man den Coriolis-Effekt beobachten (Wasserstrudel auf Nordhalbkugel dreht sich gegen Uhrzeigersinn) (stimmt nicht!)
  6. Grüne Tomaten wirken beim Menschen giftig (stimmt!)
  7. Es spart Energie, wenn man die Glühlampe nicht ständig an- und ausschaltet (stimmt nicht!)
  8. Lesen bei dürftigem Licht (Taschenlampe) schadet den Augen (stimmt nicht!)
  9. Menschen sterben, wenn sie salzloses, destilliertes Wasser trinken (stimmt nicht!)
  10. Bier auf Wein, das lass sein! (stimmt nicht!)

Den Rest bitte selbst ergooglen.