Staatstragende “Linke” retten Merkel

Späte Rache der Geknechteten? Nur für den Naiven bleibt die selbsternannte “Linke” ihrem Dogmatismus treu, enthält sich im dritten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl der Stimme und verhindert mit verschränkten Armen feixend Joachim Gauck, den ehemaligen Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Und nur der unbedarfte Wähler sieht darin eine offensichtliche Verstrickung zwischen Stasi und SED und PDS und wie-sie-alle-heißen, die mit dieser Nicht-Wahl nun überdeutlich geworden sei.

Denn die Entscheidung war für die sogenannte “Linke” nicht einfach: Merkel als oberste Frau aus dem Osten den eigenen Kandidaten weghauen oder halt dem ehemaligen Stasijäger endlich mal zeigen, von wessen Gnaden er wirklich abhängt, da kann die Linien-Objektivität schon mal schwanken. Aber trotz Groll aus alten Tagen und gerümpfter Nase über das Prozedere der Kandidatenfindung (ihr habt uns gar nicht gefragt, schnuff) obsiegte der Wille der “Linken” zur Regierungsfähigkeit: Egal, was sich Rote und Grüne bei diesem Kandidaten gedacht haben, wir erlauben unser aller Kanzlerin doch keine erneute Niederlage! Hoch-die-ostig-angegraute-Solidarität!

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Links ist, wo das Herz schlägt und der Verstand nichts zu sagen hat. Foto: chris9773 (cc-na-by)

Ein Tor, der glaubt, diese Entscheidung sei strategisch einer der größten Fehler, den die “Linken” begehen konnten. Mag sein, dass gerade im Osten, wo diese Partei in manchen Städten immer noch regelmäßig mehr als 25% der Stimmen erhält, Gauck mehrheitlich beliebter war, als der konkurrierende Wessi aus Niedersachen. Möglich, dass nun Wechselwähler aus den Reihen der SPD besonders übel nehmen. Und gut möglich, dass manche die Regierungsfähigkeit dieser Partei maximal mit “bedingt einsatzfähig” neu justieren (um nicht das schöne Wort “beschränkt” zu verwenden, das auf den entsprechenden Geisteszustand womöglich eher zutrifft).
Aber das Gegenteil ist richtig. Zum ersten Mal zeigt diese Partei, dass sie auch mit der CDU und der FDP kann – was für die Zukunft ganz neue Koalitionen verspricht. Und gibt es keinen schöneren konservativen Bundespräsidenten, als einen von der “Linken” Gnaden? Es müssen genau diese perfiden Überlegungen die entscheidende Rolle bei der abgekarteten Wahl “in freier Entscheidung” gespielt haben, denn andere Gründe kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Irgend einen rationalen Grund muss es doch gegeben haben???

Freilich – da schwant einem für NRW nichts Gutes. Wie sollen auch Grüne und Rote mit einer “Linken” zusammenarbeiten, die ja bereits oft genug bewiesen hat, dass sie dogmatisch gesehen eher zu den Konservativen gehört? Wer sich zu weit nach links verortet, lugt bekanntlich zwangsläufig wieder aus der rechten Ecke hervor. Schön, dass wir diese Regel wieder einmal empirisch bestätigt sehen konnten.

Und ja, diese Partei ist entbehrlich.

Nur um es mal gesehen zu haben…

BP in Action

Als ich die FDP besiegte

Aus Anlass des Tages ein politisches Gedicht (beschwingt und zukunftsfroh vorzutragen):

Ist der Ruf erst ruiniert,
regiert es sich ganz ungeniert.
Doch jede noch so große Welle
kriegt am Ufer ihre Delle;
und zurück kriecht bleicher Schaum -
aus der Traum.

Kübel

Ein Kübel Häme. Foto: pilot_micha (cc-by-na)

Dass nach dem verheerendem Wahlergebnis in NRW nun kübelweise Häme über die dahinkeimende 18plus-Partei FDP ausgekippt wird ist wohlverdient und selbstverständlich. Endlich hat DER WÄHLER mal richtig entschieden und einen durchgedreht schneidig auftretenden Vice-Chancellor dahin verwiesen, wo ein solcher hingehört – an den Rand der 5-Prozent-Klausel, gleich neben einer nicht näher benannten Extremistenpartei mit ostdeutschem Stammwählerpotential. Die erste Reaktion der Berliner FDP-Zentrale war denn auch ein mit viel Timbre vorgetragener Bitterkeitsauswurf, in dem die Niederlage in NRW als “gemeinsam” zu bewältigender Schulterschluss bezeichnet wurde – als ob nicht jeder wüßte, dass diese Misere Berlin allein zu verantworten hat und von Vorwürfen Richtung Landespartei überhaupt keine Rede sein kann. Das kameradschaftliche Ausheulangebot war wohl eher der Versuch, nahe liegenden Schuldzuweisungen an den Großen Vorsitzenden vorzeitig die Spitze zu nehmen: sitzen wir nicht alle in einem (verdammt noch mal allzu löchrigen) Boot? (Schluchz! Heul! – und Abgang).
Schon doof für einen Mann wie Andreas Pinkwart, in den letzten Jahren eher alles richtig gemacht zu haben und dann im entscheidenden Moment doch in der falschen Partei zu sein.

Während also Angela auf dem Roten Platz zum 65. Jahrestages des Kriegsendes erstmals Nato-Truppen vorbeimarschieren sah, ließ Guido Westerwelle, also der – äh – Außenminister (?) zeitgleich in Berlin (!) nach Angaben eines Reporters “einen Hauch von Selbstkritik erahnen” (sic!) – was den Großen Vorsitzenden vermutlich mehr Selbstüberwindung gekostet hat als BP die ganze Saubermachaktion am Golf. Vermutlich wird es diese Partei aber wieder nicht schaffen, diesen Parteichef endlich in den unverdienten Ruhestand zu schicken.

Nur Bundesumweltminister Röttgens wird sich heimlich gefreut haben – denn sein ohnehin recht scheinheiliges Bauvorhaben mit Brückentechnologie hat mit dem Verlust der Bundesratsmehrheit einen jähen Baustopp erfahren: Die Laufzeitverlängerung ist vom Tisch und die Aktien der Stromkonzerne dürften morgen etwas fallen.

Es ist schon erstaunlich, was ein, zwei, drei Artikel in einem bescheidenen Blog alles anrichten können. Komisch nur, dass die Reissäcke dieser Welt ausgerechnet immer in der Heldenstadt Leipzig umfallen.

Und die anderen Parteien? Grüne wie immer oben auf, CDU abgewatscht, SPD “wieder da” (auch wenn man bei der SPD wohl eher von einer “technischen Erholung” nach überzogenen Leerverkäufen sprechen muss).  Und dann haben es wohl auch Oskars Erben geschafft. Hauchdünn, aber drin. Es wird wohl langsam Zeit, sich in diesem Blog mal um die selbsternannte und gleichermaßen selbstgerechte “Linke” zu kümmern.
Ich stell’ schon mal den Reissack raus.

Berliner Roulette: 400 Milliarden auf Schwarz

Es gibt Themen, denen kann man sich nur noch ironisch nähren. Das betrifft neben Gottvater und der Stringtheorie insbesondere die sogenannte Weltfinanzkrise. Denn jetzt, nachdem der berüchtigte deutsche Steuerzahler (derjenige ohne Schweiz-Vignette) rund 400 Mrd. Euro in krisengeschüttelte Banken investiert hat und ein mit 320 Mrd. deutlich kleiner angelegter Bundeshaushalt auch noch zu 25 % aus Neuschulden besteht – jetzt greift die Bundesregierung kurz vor den NRW-Wahlen gnadenlos durch und legt ein eigenes Gesetz zur Finanzmarktregulierung vor. Sie überrascht damit sogar die G-20-Staaten, die eher auf internationale Vereinbarungen irgendwann später gesetzt hatten, aber anscheinend gibt es krisenbedingten Handlungsbedarf. Und irgendwie ist ja heutzutage immer Krise, da bildet der Düsseldorfer Landtag keine Ausnahme.

Wären da nicht die 80 Mrd. Neuschulden des Bundes könnte man sich aber glatt fragen, von welcher Krise die Regierung eigentlich redet. Auf den internationalen Finanzmärkten herrscht bereits wieder verhaltene Champagnerstimmung,  der Kurs der Commerzbank hat sich in einem Jahr verdoppelt, der Kurs der DB verdreifacht, an der Wallstreet regnet es wieder Milliarden-Boni. Und hatte nicht gerade ein SPD-geführter Untersuchungsausschuss zum Rettungspaket der HypoRealEstate mit den Stimmen von CDU und SPD festgestellt, dass die damalige CDU/SPD-Regierung “verantwortungsvoll und weitsichtig” gehandelt habe? Damals stand der Deutschen Bank, die als Expertin im Auftrag der Regierung Mitte 2008 den Verlust der HRE auf 40 Mrd. schätzte und daher die Eigenbeteiligung der Finanzwirtschaft an einem kurzen Wochenende von ursprünglich 10 auf nur noch 8,5 Mrd. Euro herunterhandelte, einer politischen Klasse gegenüber, die im Namen des Steuerzahlers allein bei der HRE für das Zehnfache einsprang. Hinzu kamen die Landesbanken, die Commerzbank, die IKB und die Düsselhyp, so um die 400 Mrd. Euro sind es insgesamt. Keine Panik – ist doch nur Geld?

Kleinkarierte Nörgler des Jahrhundertdeals jammern derweil vom größten kollektiven Finanzbetrug aller Zeiten (GröFaz) und von einer sagenhaft unverschämten Umverteilung von unten nach oben: Während Aktienbesitzer vor dem Totalverlust gerettet wurden, zahlen nun die Besitzer von Sparkassen- Girokonten nicht nur rückwirkend die Bezüge der cleveren Finanzelite, sondern sichern auch noch deren gegenwärtigen Lebensstil.

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Dieser Sack an einem geheimen Ort hat vermutlich die blöde Weltfinanzkrise ausgelöst. Foto: DeaPeaJay (cc-by-na)

Nun gut, könnte man sagen (und es WIRD gesagt), alles richtig, aber die HRE war eben systemrelevant und hätte halt eine Bank nach der anderen in den Bankrott getrieben, das Kreditwesen wäre zusammengebrochen, vielleicht erst das irische, dann das deutsche und am Ende das der ganzen Welt (eine glasklare kausale Ereigniskette, so geht’s halt zu einer globalen Welt wo ständig irgendwo die Reissäcke umfallen). Die Wirtschaft wäre weltweit am Ende und der viel zitierte, unschuldige Besitzer eines Sparkassen-Girokontos hätte dann viel mehr verloren, vermutlich seinen Job (sofern er einen hat, dessen Verlust ein Bedauern lohnt).  Genaueres weiß man allerdings nicht, denn leider, leider konnte man das Risiko eines Realexperiments dieser Größenordnung nicht riskieren.

Stattdessen probiert man mal was anderes – die Regierung spekuliert einfach mit: Wetten, dass aus dem eingesetzten Kapital von 400 Mrd. am Ende ein sanierter Bundeshaushalt wird? Ein Land, in dem Milch und Honig fließen und jeder Bürger und jede Bürgerin die Schweizer (wahlweise Liechtensteiner) Staatsbürgerschaft als Ersatz in der Hosentasche resp. Prada-Tasche herumträgt? Geld muss arbeiten, sagt sich die Bundesregierung, lässt die breiten Hosenträger schnipsen, gibt den Krösus und setzt alles auf Schwarz. Rien ne va plue.
Zugegeben, es besteht ein geringes Restrisiko falls das Investment fehlschlägt. So erfordert der gegenwärtige Bundeshaushalt mit 25 Prozent Schulden natürlich ein jahrzehntelanges Wirtschaftswachstum, das zugegeben in einem zyklischen Kapitalismus recht unwahrscheinlich ist. Und es ist auch richtig, dass Japans für 2014 prognostizierte Verschuldung von sagenhaften 246 Prozent der Wirtschaftsleistung einem Angstschweiß auf die kalte Spekulantenstirn treiben könnte.

Aber Angst ist genau das, was eine Regierung nicht haben darf. Hier ist Vertrauen gefragt. Zudem wäre es wohl recht unziemlich, der eigenen Regierung zu unterstellen, sie versuche die nicht absehbaren Folgen des eigenen Handelns möglichst zeitlich nach hinten zu verschieben, in der Hoffnung auf “zufällige” künftige Kalamitäten, sagen wir ein größerer Terroranschlag, ein defektes Atomkraftwerk oder den ein oder anderen herum vagabundierenden Virus, der dann die Nichtsanierung schon hinreichend erklären könne.
Vielleicht wird diese Regierung aber auch einfach nur abgewählt und könnte dann als Opposition den Sanierungsfall Deutschland der Nachfolgeregierung anlasten (man hört sozusagen schon den großen Oppositionsvorsitzenden mit Schneid skandieren: Wir – fordern – die – sofortige – Abschaffung – aller – Subventionen – und – des – Entwicklungshilfeministeriums! (Applaus) Wir – fordern – die – sofortige – Absenkung – aller – Steuersätze – für – Leistungsträger! (stehende Ovationen) Mehr – Markt – weniger – Sozialismus (frenetischer Beifall).

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400 Mrd. auf Schwarz - wenn das mal gut geht... Foto: Clry2 (cc-by-na)

Bis dahin also das neue Gesetz, angeblich um einen neuen Crash zu verhindern. Seltsam freilich, dass auf die Finanzinstitute nicht viel mehr zukommt, als ein paar lächerliche Regelungen, die allein schon wegen der notwendigen internationalen Gültigkeit sehr moderat ausfallen. Wer kann schon Gerechtigkeit erwarten, wenn es um Recht geht? In einem allerdings weitgehend rechtsfreien Raum? Sicherlich hat es einzelne Verfehlungen bei der Aufsicht gegeben, aber im Kern waren weder die Transaktionen an sich noch die üppige Bezahlung illegal – organisierte Verantwortungslosigkeit ist kein Privileg der Finanzwirtschaft und nicht einmal in der regulierten Politik strafbar. Erstaunlich nur, das “Vorsorge” dann lediglich bedeutet, dass die Banken einen höheren Risikokapitalstock anlegen. Denn raten wir doch mal, wer das am Ende bezahlt. Der Aktienbesitzer? Der Lichtenstein-Tourist? Oder gar die Banker selbst? Tja, ich komm’ nicht drauf.
Im Zweifel rettet halt wieder ein Staat. Und da die nächste Krise rein statistisch größer sein wird als die vorangegangene wird nun auch Schäubles zeitgleicher EU-Vorstoß verständlich: Damit der Topf nicht wieder überkocht, machen wir halt die Töpfe größer! Da verdient dann auch die Metallindustrie etwas mit (Mittelstandsförderung!) und größeres Feuer (Energiewirtschaft!) kann man auch drunter machen.
Hoffen wir also mit Angela, dass unsere 400-Mrd.-Investition (alles auf Schwarz) unseren Einsatz verdoppelt. Und spielt es sich nicht am leichtesten mit Geld, das einem nicht gehört?
Der erfahrene Spieler weiß allerdings – am Ende gewinnt immer die Bank.

Fotos: DeaPeaJay und Clry2 CC BY-NC-SA 2.0

FDP: Die Hosen bleiben unten!

Kaum kommt der FDP-Vorsitzende nach einer anstrengenden Südamerika-Reise und deprimierenden Umfrageergebnissen wenigstens etwas zur Ruhe und mimt nun kurz vor den NRW-Wahlen (vermutlich auf Anraten einer hyperventilierenden PR-Beraterin) den nachdenklichen Außenpolitiker, schon übernimmt der nächste FDP-Barde das medientaktische Ruder: Wolfang Kubicki, nach Angaben der ZEIT (Nr. 12, S. 17) “Heckenschütze, Strippenzieher, Machtmensch” in einer Person, erklärt öffentlich den einfachen Menschen und Journalisten (was nicht das Gleiche ist) die Berliner Lage. Warum er immer noch in Schleswig-Holstein herumhängt und noch nicht in Berlin sei? “Ich würde in Berlin zumTrinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock“, erläutert er erschrocken um sich blickenden ZEIT-Lesern, aber das war nur die Einleitung. Schon plaudert Wolfgang Kubicki aus dem Nähkästchen: “Das politische Leben in Berlin sieht doch so aus: Sie sind den ganzen Tag unter Druck, abends wartet Ihr Apartement auf Sie, sonst niemand. Es gibt einen enormen Frauenüberschuss, denn wenn Sie den gesamten Politikbetrieb nehmen, kommen Sie auf schätzungsweise 100 000 Leute, in Parlament, Regierung, Verwaltung, Botschaften, Verbänden und Medien, davon 60 Prozent Frauen. Ich weiß doch, wie das läuft: Da sind dann diese Abende, an denen Sie nur abschalten wollen, Stressabbau. Da sitzt Ihnen plötzlich eine Frau gegenüber, die Ihnen einfach nur zuhört. Und dann geht die Geschichte irgendwann im Bett weiter. Dazu der Alkohol: Sie könnten, weil Sie ständig in Terminen sind, den ganzen Tag trinken. Eine Flasche Wein ist da gar nichts, leicht zu verteilen auf fünf.”

Foto_by_gholzer_CC

Berliner Demokratie: Reden wir doch mal wieder über die menschlichen Seiten liberaler Selbstaufopferung (Foto: gholzer CC)

WOW!
So läuft das also in Berlin. So funktioniert die parlamentarische Demokatie zwischen Verteidigung derselben auf den Höhen des Hindukusch und dritter Lesung der 34. Novelle des Gesetzes zur Neuordnung des Raumwesens im Bereich zwangsrückzuführender Behälter schwach radioaktiven Abfalls aus grundwasserverseuchten Kleinstlagerstätten (Sitzungsgeld nur bei Anwesenheit).
Ruhig Blut, mag sich da der geneigte und frisch habilitierte ZEIT-Leser in seinem Lorenzo-Wellness-Stuhl gedacht haben, das zählt sicher unter Professionalisierung von Politik (Luhmann!), das haben wir doch mal gelernt, Strukturbildung halt, non-intended outputs einer zu konzentriert an einem Ort gehaltenen Spezies mit raubtierhaft-charismatischem Verhalten (Weber!), Verluste inklusive. Kein Grund zur Aufregung, hinzunehmende Collateralschäden eines gut geschmierten und daher einfach zu gut funktionierenden Politikbetriebes. So what?

Foto_by_Edwin_Land

Wir saufen uns zu Tode für Euch: Mini-Bar gestresster FDP-Politiker? (Foto: Edwin Land, CC)

Schauen wir auf das Timing: Der große Vorsitzende ist in größten Nöten, die FDP hat ein all zu offen liegendes Glaubwürdigkeitsproblem und überhaupt läuft es in Berlin gerade ausgesprochen schlecht. Auf einen Satz gebracht: Die Lage kurz vor den Wahlen in NRW ist schlicht und ergreifend katastrophal. Was liegt näher, als einen alten SMS-Kumpel in die Bresche zu schieben, der zudem die ganze Berliner Parlaments-Chose in ein augenzwinkerndes Licht rückt? Der die Koalition quasi als Opfer der eigenen professionellen Autopoiesis (was schert uns Redundanz) des Politischen Systems erklärt und den Geist als bekanntlich willig, aber das Fleisch als (wie wir schon ahnten) schwach vorfindet? Wer werfe hier den ersten Stein? Haben nicht alle männlichen Parlamentarier diese herzzereißenden Probleme (von den weiblichen, die ja – wie wir nun wissen – in Berlin die Mehrheit bilden, gar nicht zu reden)? Hurenböcke und Alkoholleichen, wohin das Auge blickt? Und – mal Hand aufs Herz – ist es nicht viel schöner, über die menschlichen Seiten getresster Alpha-Tierchen zu reden als ständig über zweifelhafte Steuergeschenke, Kopfpauschalen und einen FDP-Wirtschaftsminister, dessen Ministerum man vermutlich abschaffen könnte, ohne dass es irgend jemandem im Lande auffallen würde?
Die ironische Pointe des ZEIT-Interview ensteht aber erst dadurch, dass in der gleichen Ausgabe der Kolumnist Harald Martenstein den heutigen Niedergang des politischen Kabaretts behauptet: “Es war [früher - d.A.] bestimmt eine heiße Sache, wenn im Kabarett auf Willy Brandts Frauen- oder Straußens Alkoholkonsum angespielt wurde, weil das für die Presse Tabuthemen waren. Inzwischen steht dieser Kram doch längst in der Zeitung. (…) Es gibt keine Fallhöhe mehr, von der ein Kabarettist profitieren könnte. Bunte killed the Kabarett-Star.”
Oh nein, Herr Martenstein, es ist viel schlimmer. Nicht die Bunte ersetzt das Kabarett, es ist bereits die ZEIT selbst in netter Vertrautheit mit einer verzweifelten FDP, die in schonungsloser Enthüllungspraktik die Hosen der Politiker unten belässt.
Nur dass dieser Anblick keinen einzigen Lacher mehr hervorruft. Schade eigentlich.

Fotos: Edwin Land und gholzer CC BY-NC-SA 2.0

Kaum kommt der FDP-Vorsitzende nach einer anstrengenden Südamerika-Reise und deprimierenden Umfrageergebnissen wenigstens etwas zur Ruhe und mimt nun kurz vor den NRW-Wahlen (vermutlich

auf Anraten einer hyperventilierenden PR-Beraterin) den nachdenklichen Außenpolitiker, schon übernimmt der nächste FDP-Barde das medientaktische Ruder: Wolfang Kubicki, nach Angaben der

ZEIT (Nr. 12, S. 17) “Heckenschütze, Strippenzieher, Machtmensch” in einer Person, erklärt öffentlich den einfachen Menschen und Journalisten (was nicht das Gleiche ist) die Berliner

Lage. Warum er immer noch in Schleswig-Holstein herumhängt und noch nicht in Berlin sei? “Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock”, erläutert er erschrocken

um sich blickenden ZEIT-Lesern, aber das war nur die Einleitung. Schon plaudert Wolfgang Kubicki aus dem Nähkästchen: “Das politische Leben in Berlin sieht doch so aus: Sie sind den

ganzen Tag unter Druck, abends wartet Ihr Apartement auf Sie, sonst niemand. Es gibt einen enormen Frauenüberschuss, denn wenn Sie den gesamten Politikbetrieb nehmen, kommen Sie auf

schätzungsweise 100 000 Leute, in Parlament, Regierung, Verwaltung, Botschaften, Verbänden und Medien, davon 60 Prozent Frauen. Ich weiß doch, wie das läuft: Da sind dann diese Abende,

an denen Sie nur abschalten wollen,Stressabbau. Da sitzt Ihnen plötzlich eine Frau gegenüber, die Ihnen einfach nur zuhört. Und dann geht die Geschichte irgendwann im Bett weiter. Dazu

der Alkohol: Sie könnten, weil Sie ständig in Terminen sind, den ganzen Tag trinken. Eine Flasche Wein ist da gar nichts, leicht zu verteilen auf fünf.”
WOW.
So läuft das also in Berlin. So funktioniert die parlamentarische Demokatie zwischen Verteidigung derselben auf den Höhen des Hindukusch und dritter Lesung der 34. Novelle des Gesetzes

zur Neuordnung des Raumwesens im Bereich zwangsrückzuführender Behälter schwach radioaktiven Abfalls aus grundwasserverseuchten Kleinstlagerstätten (Sitzungsgeld nur bei Anwesenheit).

Ruhig Blut, mag sich da der geneigte und frisch habilitierte ZEIT-Leser in seinem Lorenzo-Wellness-Stuhl gedacht haben, das zählt sicher unter Professionalisierung von Politik, das haben

wir doch mal gelernt, Strukturbildung halt, non-intended outputs einer zu konzentriert an einem Ort gehaltenen Spezies mit raubtierhaft-charismatischem Verhalten (Weber!), Verluste

inklusive. Kein Grund zur Aufregung, hinzunehmende Collateralschäden eines gut geschmierten und daher einfach zu gut funktionierenden Politikbetriebes. So what?

Schauen wir auf das Timing: Der große Vorsitzende ist in größten Nöten, die FDP hat ein all zu offen liegendes Glaubwürdigkeitsproblem und überhaupt läuft es in Berlin gerade

ausgesprochen schlecht. Auf einen Satz gebracht: Die Lage kurz vor den Wahlen in NRW ist schlicht und ergreifend katastrophal. Was liegt näher, als einen alten SMS-Kumpel in die Bresche

zu schieben, der zudem die ganze Berliner Parlaments-Chose in ein augenzwinkerndes Licht rückt? Der die Koalition quasi als Opfer der eigenen professionellen Autopoiesis (was schert uns

Redundanz) des Politischen Systems erklärt und den Geist als bekanntlich willig, aber das Fleisch als (wie wir schon ahnten) schwach vorfindet? Wer werfe hier den ersten Stein? Haben

nicht alle männlichen Parlamentarier diese herzzereißenden Probleme (von den weiblichen, die ja – wie wir nun wissen – in Berlin die Mehrheit bilden, gar nicht zu reden)? Hurenböcke und

Alkoholleichen, wohin das Auge blickt? Und – mal Hand aufs Herz – ist es nicht viel schöner, über die menschlichen Seiten getresster Alpha-Tierchen zu reden als ständig über zweifelhafte

Steuergeschenke, Kopfpauschalen und einen FDP-Wirtschaftsminister, dessen Ministerum man vermutlich abschaffen könnte, ohne dass es irgend jemandem im Lande auffallen würde?

Die ironische Pointe des ZEIT-Interview ensteht aber erst dadurch, dass in der gleichen Ausgabe der Kolumnist Harald Martenstein den heutigen Niedergang des politischen Kabaretts

behauptet: “Es war (früher – M.G.) bestimmt eine heiße Sache, wenn im Kabarett auf Willy Brandts Frauen- oder Straußens Alkoholkonsum angespielt wurde, weil das für die Presse Tabuthemen

waren. Inzwischen steht dieser Kram doch längst in der Zeitung. (…) Es gibt keine Fallhöhe mehr, von der ein Kabarettist profitieren könnte. Bunte killed the Kabarett-Star.”
Oh nein, Herr Martenstein, es ist viel schlimmer. Nicht die Bunte ersetzt das Kabarett, es ist bereits die ZEIT selbst in netter Zweisamkeit mit einer verzweifelten FDP, die in schonungsloser Enthüllungspraktik die Hosen der Politiker unten belässt.
Nur dass dieser Anblick keinen einzigen Lacher mehr hervorruft.

Der Heute-retten-wir-die-Erde-Tag

Die Grundschule unseres Kleinen liegt gleich um die Ecke, am Rande eines architektonisch sehr schönen Viertels mit angrenzendem Park, und doch ist alles nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Soweit die gute Nachricht. Leider ergibt sich die schlechte direkt daraus: Die Wohnungen sind relativ begehrt, die Mieten entsprechend hoch und die lieben Mitbewohner in der Regel keine Kunden der Sparkasse. Das Ergebnis ist eine überdurchnittlich hohe Chayenne-Dichte, von den Touaregs, Q3 und Q5 gar nicht erst zu reden.
Nun ist die Welt voll von a-sozialen Menschen ohne Empathiefähigkeit (sozial = “Ausdruck wechselseitiger Bezüge als Grundbedingtheit des Zusammenlebens”. Wer einmal einen 7jährigen vor dem Kühlergrill eines solchen Ego-Geräts stehen sah, weiß was ich meine). Sie bilden keine Mehrheit, sonst hätte die Menschheit die letzten 10.000 Jahre wohl nicht überlebt, aber in geballter Form nerven sie schon. Warum kam noch kein Stadtplaner auf die Idee, solchen “Ich-fühl-mich-sicherer-so”-Menschen spezielle Reservate mit künstlichen Dünen, Schlammlöchern und Schotterpisten am Stadtrand anzulegen, gleich mit Reihenhaus, Doppelgarage und Hundezwinger anbei? Quasi als Komplett-Wohlfühlpaket mit besonders günstigen Finanzierungsangeboten aber mit der einschränkenden Klausel, bitte dort draußen unter sich zu bleiben?

SUV in der Großstadtwüste

SUV in der Großstadtwüste auf dem Weg zum örtlichen Kindergarten. Foto: beedubz

Denn eigentlich scheint es unerklärlich, wozu man so ein Fahrgetüm inmitten einer landschaftlich flachen Tieflandsregion ohne größere Wanderdünen wohl brauchen könnte – wenn nicht jeden Mittwoch an genau der oben erwähnten Grundschule in unserem hübschen Sprengel der “Heute-retten-wir-die-Erde-Tag” stattfinden würde.
Wer es als grenzwertig empfindet, sein Kind jeden Morgen die 300 Meter durch die Unwägbarkeiten stiller Nebenstraßen und die Zumutungen ungefilterter Außenluft bis genau vor die Eingangstür der Schule zu kutschieren erfährt mit dem “Heute-retten-wir-die-Erde-Tag” wenigstens einmal in der Woche eine rationale Rechtfertigung: Die Schule sammelt Altpapier, für jedes Kilo gibt es einen blauen (sic!) Tannenbaum-Stempel in das Kindlein-Umwelt-Buch und am Ende des Jahres winken für die besten UmweltaktivistInnenen praktische Urkunden auf garantiert chlorfreiem Papier.
So lernen die Kinderlein schon frühzeitig, dass sich Einsatz schwerster Technik für den Umweltschutz auch persönlich rechnet. Wir wir schon ahnten: Klimawandel? Wir machen mit!
PS: Heute schon das Joghurtbecherdeckelchen fein säuberlich abgetrennt und brav in die Geschirrspülmaschine gelegt?

Foto: beedubz CC BY-NC-SA 2.0

Retrokunst Just-In-Time

Sie könnten zum neuen Youtube-Star werden: OK Go mit ihrem Musikvideo “This Too Shall Pass”, passend zum Lauf der Dinge einer Rube-Goldberg-Maschinen-Version über sicher mehr als nur eine Fabrikhalle, unter Benutzung diverser Autoreifen, Gummiseile, Bälle, einem zerstörerischen Klavier, diverser Murmeln und vieler anderer hübschen Dinge. Die Jungs haben es einfach drauf:

Gut, neu ist die Idee freilich nicht. Schon 1987 veröffentlichten die Schweizer Medienkünstler  Peter Fischli und David Weiss mit “Der Lauf der Dinge” ihre Version der Rube-Goldberg-Apparatur. Anders als OK Go brauchten Sie aber fast eine halbe Stunde für die 30 Meter in einer Fabrikhalle und außerdem qualmte und rauchte es damals etwas mehr. Der Film lief erstmals auf der documenta 8 und ist seitdem ein gern gezeigter Kunstfilm verschiedener Museen (z.B. März 2009 Centre Pompidou). Auch Nachahmer gab es bereits mehrere, sogar aus der Musikbranche.  Dabei ist die Rube-Goldberg-Maschine (dieser Name geht auf einen amerikanischen Cartoonisten Ende der 50er zurück, die Nonsensmaschine als Ding an sich soll aber viel älter sein) ein Gerät zur sinnlosen Verlangsamung sehr einfacher Vorgänge – was man von dem Just-In-Time-Song von OK Go wahrlich nicht behaupten kann: Da locht die Murmel exakt zur rechten Zeit ein, ein Vorgang, der wohl nur mit jahrelangem Üben so genau in die Wirklichkeit eines ja erst jetzt entstandenen Songs (per Raumkontinuum?) gebogen werden kann.
Vielleicht ist die Zeit der Lipdubs ja vorbei und es kommt die Zeit der Lipdrums? Als Retroretro neu aufgelegter Altideen? Just in time?

Sachsen-CDU: Wer hat, dem wird gegeben

Ich kann die Grünen in Sachsen nicht verstehen: Da regt sich Antje Hermenau darüber auf, dass die CDU auf ihrer Veranstaltung “Denkfabrik Sachsen” Standgebühren von Firmen für eine Selbstpräsentation nimmt, wobei dann bei genügend hoher Zuzahlung auch das ein oder andere Wort mit dem CDU-Vorsitzenden Tillich (aber nicht mit dem Ministerpräsidenten Tillich!) möglich ist. Ja und?

cdu_by_tgoldkamp

mittenmang (Originalfoto: tgoldkamp unter CC-Lizenz s.u., Beschriftung: online-Planspiel)

Hat nicht der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer ausführlich erläutert, erstens habe man das schon immer so gemacht und zweitens ist die CDU Sachsen so arm, dass sie sich sonst so einen tollen Kongress gar nicht leisten könne?
Was man schon immer so gemacht hat, geht bei Konservativen bekanntlich automatisch in Gewohnheitsrecht über. Das liegt sozusagen in deren Genen, dagegen kann man nichts machen. Und zweitens ist die arme Sachsen-CDU praktisch pleite, vermutlich weil sie nach dem Notverkauf der Landesbank durch irgend einen Ministerpräsidenten ihre gesamten Ersparnisse heimlich dem Landeshaushalt 2010 gespendet hat, der z.B. bei den Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe mal fix um 30 % reduziert werden soll. Was können die Grünen nur dagegen haben, wenn die CDU nun über solche “Standgebühren” den Unternehmern Zaster abknöpft, um damit z.B. die Jugendhilfe etwas aufzupeppen? Das hat übrigens auch nichts mit Ungleichheit der Parteien zu tun. Die Grünen könnten das ja auch so machen – nur stellen sie halt nicht den Ministerpräsidenten und keine einzige Firma würde bei denen 8000 € für einen Stand bezahlen. Tja – aber dafür kann ja wohl die CDU nix!
Was? Die Firmen können diese Gebühren als Ausgaben von der Steuer absetzen? Und die CDU hat auch nicht für den klammen Haushalt gespendet, sondern im Grunde durch diese Praxis das Steueraufkommen Sachsens sogar verkleinert bzw. in die Parteikasse umgelenkt? Und das ist alles legal?
Seltsam. Erinnert mich an irgendwas.
Kennt man eigentlich die Namen der holden Spender?

Foto: tgoldkamp CC BY-NC-SA 2.0

Wenn Audi über den Staat lästert

Es ist ja nicht so, dass die Autoindustrie den ambitionierten staatlichen Klimaschutzmaßnahmen unserer Klimaschutzkanzlerin (Stichwort Grönland-Reise)  tatenlos zusieht. Nein, sie verspricht jede Menge Elektro-Autos, eröffnet eco-Baureihen und in deutschen Werbeclips fahren die Autos immer öfter entlang blühender Wiesen und grünender Wälder. Was macht man nicht alles, um die zunehmend verblödende Öko-Mittelschicht zum Kauf eines übermotorisierten Premiummodells zu überreden: Des’ Brot ich eß, des’ Lied ich sing!

Aber was wir schon ahnten – die Wandlung vom Saulus zum Paulus ist eine biblische Geschichte und möglicherweise schlicht erfunden. Klimaschutz? Brauchen wir nicht, wir bauen schon längst die Autos von übermorgen. Staatlicher Klimaschutz? Einfach nur lächerlich. Und worauf dieser ganze lästige, hysterische Gesetzkram hinausläuft, posaunt Audi nun unverhohlen auf dem amerikanischen Markt hinaus:

Klasse gemacht, Geld spielte mal wieder keine Rolle. Aber müssen wir uns hier nicht auch besorgt fragen, ob Audis PR-Abteilung noch alle Tassen im Schrank hat und sich künftig tatsächlich allein auf das trotzige, jungliberale Milieu von Möchtegern-Eliten konzentrieren will, denen spätrömische Dekadenz ein Graus ist, es sei denn, man gelangt auf einer vierspurigen Autostrada ohne Tempolimit dorthin?
„Wir sind keine Sozialhilfestation, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen“, meinte denn auch der neue Audi-Chef Rupert Stadler zum Thema CO2-Begrenzungen. Uhuh.
Was der gute Mann natürlich stillschweigend ignoriert: Was wäre Audi ohne Dienstwagenprivileg, also der vollständigen Steuerfinanzierung von Firmenwagen, und den vielen anderen staatlichen Unterstützungen für die Vierradindustrie? Wäre Audi dann immer noch ein Wirtschaftsunternehmen oder doch schon eher ein Fall für die Sozialhilfestation? Warum den Mann nicht beim Wort nehmen und ab sofort alle staatlichen direkten und indirekten Subventionen weglassen, ein ureigenes Thema der FDP übrigens (wie wir schon wieder ahnten)? Zumal die Firma staatlichen Umweltschutz so offenkundig überflüssig findet.

Tz, tz, tz Audi, man spuckt doch nicht auf die Hand, die einen füttert…

…und Eva sagt, ich habe immer noch Mundgeruch!

Sarah Wagenknecht tat es noch nie, der Rest der Linksfraktion macht es dafür gemeinsam, die Bundeskanzlerin macht es heimlich, der Guido macht es (selbstverständlich)  und seit einem knappen Jahr sucht nun auch Der_Fuehrer sein Heil im microblogging: „Gäbe mir mein Raichsministär däs Aoswärtigen solche Widärworte wie diesär Wästerwelle, wäre är längst an där Ostfront“, kommentierte der Nicht-Tot-Zu-Kriegende den jüngsten Schlagabtausch in der deutschen Hauptstadt per twitter.

Freundliche Übernahme einer Kommunikationsruine (http://twitter.com/der_fuehrer)

Was in myspace begann, wo Luhmann, Darwin, Derrida, Parsons, Husserl, Adorno und natürlich Habermas jederzeit fröhliche Kommentare zum Weltgeschehen abgeben und sich gegenseitig höflichst der fachlichen Inkompetenz verdächtigen, scheint sich nun bei twitter fortzusetzen: Die freundliche Übernahme einer einstürzenden Kommunikationsruine. Das Jenseits ist auch nicht mehr das, was es mal zu werden versprach.
Nur – was der Bundeskanzlerin anscheinend dämmert, Sarah Wagenknecht schon immer ahnte und Franz Münterfering konsequent beendete („Jetzt ist aber wirklich Schluss. Twitter ist Mist“) scheint der gefühlten Mehrheit des Deutschen Bundestages leider entgangen zu sein: Twitter ist nicht nur Mist, sondern vor allem peinlich. Eigentlich will man gar nicht genau wissen, wie viele MdB-Mitarbeiter für wie viel Geld dazu gezwungen werden, einer vermeintlich jugendlichen Zielgruppe die hehren Ziele ihrer jeweiligen DienstherrInnen per Dummzwitscher („bin gerade im Plenum und studiere die Druckvorlage 5A23/09 – viel Text“) nahe zu bringen. Das Prinzip Twitter war der schale Versuch, mit Satzhülsen im 256-Zeichen-Format eine verloren geglaubte Zielgruppe zu erreichen – dabei ist es nicht viel mehr als das virtuelle Arschgeweih der selbst ernannten Netgeneration.
Die Fakten sind leider gnadenlos. Guido hat 1500 Follower (immerhin mehr als die gesamte Linksfraktion), Dieter Bohlen „dirtydieter“ 5800, Münte 6500 (obwohl er gar nix mehr schreibt und die ganze Sache doof findet) – und doch werden sie alle getoppt vom Fuehrer und seinen Ergüssen, die immerhin 9600 Menschen verfolgen.
Zugegeben, sein erstes Zwitschern an einem schönen Nachmittag im März 2009 („Demnächst folgen mirrr alle“) hat sich nicht so recht erfüllt, aber was will er auch gegen eine Britney Spears (71.500 followers) oder Lance Armstrong (65.000) ernsthaft unternehmen in unübersetzbarem Deutsch? 26. Januar 2010:  „Habe Eva gäsagt, ich hätte mir eine Fröjahrsdäprässion eingefangän. Alläs om mich härum wäre so braun. Das Wortspiel bämärkt sie nicht.“
Wie auch – sie twittert ja (noch) nicht.

Brückentechnologie: Woher und Wohin?

Als der CDU-Umweltminister Norbert Röttgen den Koalitionsvertrag wörtlich nahm und das Wort “Brückentechnologie” mit dem zugehörigen Wort Atomkraft in einem Sinnzusammenhang verwendete war das Wehklagen groß und des Kopfschüttelns kein Ende: Anscheinend verbindet die Mehrheit der Koalitionsanhänger mit diesem Wort eher eine hübsche Umschreibung für “alles bleibt wie es ist”. Nicht von ungefähr hat bekanntlich die Konserve, die Brückentechnologie des Konservierens vor dem Zeitalter des Kühlschrankes, den gleichen Wortstamm wie konservativ (lat.: conservativus – wie wir schon ahnten).
Eine Woche währte das Rumoren, dann übernahm Guido Westerwelle mit der gelungen Provokation zur spätrömischen Dekadenz wieder die Medienmeinungsführerschaft. Clever.

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Brückentechnologie: Woher und Wohin? (Foto: joiseyshowaa)

Wer weiß, wie das hübsche Wort der Brückentechnologie in den Koalitionsvertrag gelang. Ob einer der Referenten als heimlicher Grünen-Anhänger das Wort hinein schmuggelte, ob es sich um einen Fehler der Word-Rechtschreibhilfe handelte (“Krückentechnologie nicht im Wörterbuch”) oder ob es tatsächlich so gemeint war – es ist auf jeden Fall ein geniales Wort. Es ist auf fast unverschämte Weise interpretierbar, dehnbar, ein Nicht-Wort sozusagen.
Je nach eigenem Standpunkt zur Frage der Atomkraft hat jeder seine spezielle Brücke im Kopf: Der Atomkraftgegner denkt vielleicht an eine kleine, schnell gebaute Holzbrücke im lauschigen Rippachtal, nichts für die Ewigkeit, Hauptsache man kommt schnell rüber.
Der Technikfreak denkt hingegen an die Öresundbrücke, vierspurig für 10.000 Fahrzeuge pro Tag konzipiert, eine Augenweide aus der Windschutzscheibenperspektive, Bauzeit sieben Jahre, wer im Internet nach den Baukosten sucht findet alles zwischen einer und vier Milliarden Euro, hier ist eben der Weg das Ziel.

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Die Seebrücke - Ausdruck einer konservativen Sackgassenideologie? (Foto: snuesch86)

Aber auch der Atomkraftgegner hat sofort seine Brücke vor Augen: Enden Seebrücken doch gewöhnlich mitten im Wasser und erfreuen sich trotz dieser Sackgassenideologie großer Beliebtheit gerade bei der als konservativ geltenden älteren Bevölkerung, sozusagen der Hauptzielgruppe des Koalitionsvertrages. Das rettende Ufer ist näher, wenn man es gar nicht erst verläßt.

Oder aber – welch’ böser Gedanke! – ist ohnehin eher die Schiffsbrücke gemeint, die Kommandozentrale des trögen Regierungstankers, die Dank social engineering aufgepimpt wurde zur Zukunftswerkstatt einer neu-liberal-sozial-christlichen Führungselite? Pech freilich, wenn die Tarnung misslingt und dann halt doch nur die spätrömische Dekadenzflagge gehisst wird. Duktus hin oder her.

Zurück zur Brücke und dem zweiten Hauptwort - Technologie: Ist die “Brücke” selbst schon eine Ingenieursleistung per Definition, so darf die Brückentechnologie guten Gewissens eine um Haaresbreite verfehlte und darum auch nur beinahe tautologische Wortschöpfung sui generis des homo faber genannt werden, die – jetzt noch in den Sinnzusammenhang mit Kernenergie gebracht – sozusagen auf diesen abstrahlt und veredelt, die Atomenergie glitzern läßt in einer zeitlosen Reihe menschlicher Genialität von der altrömischen Brückenbaukunst (Guido???) bis hin zu Marsbesiedelungen und kühnen Streifzügen durch die Gefilde einer Asse II (oder wo auch immer sich die Überreste dieser Technologie dann irgendwann befinden werden).

Vermutlich haben sich die zuständigen Referenten des Koalitionsvertrages bei der Erfindung des Wortes vor Juchzen auf die Schenkel geschlagen – stilistisch so brillant und doch unkonkret genug kann man die geplante Laufzeitverlängerung nicht besser formulieren.
Schade freilich, dass Herr Röttgen die Sache wörtlich nahm.

Streusalz alle – Golfstrom umgekippt

Wurzen versinkt im Schnee

The Day After Yesterday

Nach dem bekannten Jahrhunderthochwasser (2002) und dem berüchtigten Jahrhundertsommer (2003) hat nun auch der Jahrhundertwinter (2009) in diesem noch recht jungen Jahrhundert seine Spuren hinterlassen. Viele Menschen fragen sich, was dieses Jahrhundert wohl noch bieten wird, was es bedeutet, wenn schon 2009 das Streusalz ausgeht und DGB-Chef Bsirske von einer neuen sozialen Kälte spricht: Werden wir alle sterben? Wie sieht es mit den Mindestlöhnen beim Winterräumdienst aus? Und wo bleibt eigentlich die seit Jahren versprochene Klimaerwärmung?

Fest steht: Den Prognosen irritierter Klimaforscher ist nicht mehr zu trauen (Stichwort Himalaya-Schmelze) und ein DGB, der sich in solchen existenziellen Zeiten ernsthaft um eine dreiprozentige Lohnerhöhung für den Öffentlichen Dienst sorgt, handelt bestenfalls verantwortungslos. Streiks für 3 Prozent? Während der Golfstrom umkippt???
Wären hier nicht eher 30 Prozent angemessen, um die staatlich Bediensteten als Rückgrat einer in Schnee, Eis und Chaos versinkenden Republik genügend zu motivieren, das Öffentliche Leben auf Loipen und Rodelhängen ohne Streusalz (!) aufrecht zu erhalten? Alternativ könnte man freilich auch eine flächendeckende Verbeamtung anbieten, um Blutbäder wie in Arizona künftig zu verhindern, wobei wir wieder bei den verstörten Wissenschaftlern wären. Wie wir aus dem bis heute nicht existierenden Ökologie-Unterricht wissen hängt eben alles miteinander zusammen.

Einzige Hilfestellung in dieser komplexen Welt bleiben wohl nur die wissenschaftlichen Lehrfilme z.B. von Prof. Emmerich, aus denen wir zwei Dinge lernen können: Erstens sind Öffentliche Bibliotheken mit ihren Büchern die wichtigste Überlebensquelle künftiger Generationen und zweitens wird es immer irgendwo auf der Welt noch ein trockenes, warmes Plätzchen mit einem netten US-Stützpunkt voller Hubschrauber geben, die uns z.B. aus Wurzen, Riesa oder Oschatz evakuieren werden. Der Probelauf auf der Insel Hiddensee Ende Januar verlief schon recht vielversprechend, auch wenn über den Brennwert der Inselbibliothek leider nichts bekannt wurde.

Das einzig Tröstliche ist wohl die Gewissheit, dass das Leben auf, in und unter der Erde weitergehen wird, notfalls auch ohne Streusalz. Aber vorher sollten wir Bildungsbürger nun auch wissenschaftlich fundiert die Kommunen auffordern, endlich mehr Gelder in die Bibliotheken zu investieren!
Herr Westerwelle, übernehmen Sie!

Neue Studentenausweise an der Humboldt-Universität (gold card hu200)

Stino-Card

Entwurf der neuen Studierendenkarte für Normalstudierende mit Lecker-Essenfunktion

Schon seit längerem droht auch der Humboldt-Universität zu Berlin der Status einer EXZELLENTEN Universität. Der RCDS der HU hat daher schon im Dezember 2009 (!)  die Einführung eines elektronischen “Studentinnenausweises im Scheckkartenformat” gefordert, mit der man nicht nur essen, sondern auch Bus fahren und andere tolle Sachen machen kann.
Zwar hätte man von einer künftig EXZELLENTEN Universität so etwas schon viel eher erwarten können, aber dafür machen es die Berliner nun richtig: Neben einer normalen Studierenden Card mit der üblichen Essensfunktion soll für zahlende Studierende auch das ein oder andere Extra verfügbar sein.

gold card hu200

Die gold card hu200 mit vielen nützlichen Extras

Die gold card hu200 wird von den Befürwortern als sinnvoller Ausweg zur Eigenfinanzierung ohne Studiengebühren gesehen, ist doch die Inanspruchnahme vollkommen freiwillig. Auch sind die Extras einzeln oder als Bundle buchbar, allerdings standen die jeweiligen Preise zu Redaktionsschluss noch nicht endgültig fest.

CALL A BOOK ist als Basisdienst gedacht und ermöglicht es den Studierenden, per SMS beliebig viele Bücher in die Eigentumswohnung am Prenzlauer Berg zu ordern. Der Bringdienst der Hauptbibliothek hat selbstverständlich 24 Stunden geöffnet und garantiert Servicezeiten von maximal 45 Minuten, bei Zahlung eines optionalen Expresszuschlags auch darunter. Organisiert wird dieser Service von mittelosen Normalstudierenden, die auf diese Weise Anrechtspunkte für eine eigene gold card erarbeiten können.

Das Extra PERSÖNLICHER TUTOR erklärt sich selbst: Zur gesamten Laufzeit steht den Studierenden in einem Fach ihrer Wahl ein erfahrender Tutor (Abschluss: Promotion oder höher) mit Rat und Tat zur Seite. Ein 24-Stunden-Call&Come-Service ist hier ebenso selbstverständlich wie das kurzfristige Überarbeiten umfangreicher Hausarbeiten oder Referate.

Der LIMO-SERVICE hingegen dürfte wohl nur etwas für GaststudentInnen aus München oder Hamburg sein. Er wirkt insgesamt doch etwas peinlich, zumal die Fahrer die strikte Anweisung haben, ihre Fahrgäste bis direkt vor den Hörsaaleingang zu chauffieren. Attraktivität gewinnt dieses Angebot jedoch dadurch, dass mit jeder Fahrt  automatisch drei nebeneinanderliegende Sitzplätze in der ersten Reihe eines Hörsaales reserviert werden.

Der exklusive PROFESSOREN-CALL ist nur als Bundle mit dem PERSÖNLICHEN TUTOR wählbar: Zwar darf man seine Professoren jederzeit anrufen und nach Hause bitten, doch muss man damit rechnen, dass an Stelle des Professors dann doch nur der Tutor kommt. An diesem Service könnte noch gearbeitet werden, daher wird es hierbei noch längere Zeit Rabatte geben.

Das Extra FREIE PRÜFUNGSWAHL gehört ebenfalls zu den Basisfunktionen. Über ein Onlinebuchungssystem können sich Studierende mit ihrer gold-card-hu200 – ID problemlos einen Prüfungstermin ihrer Wahl sichern, wobei gold-card-InhaberInnen prinzipiell über einen Freiversuch zusätzlich verfügen. Die FREIE PRÜFUNGSWAHL FLAT mit beliebig vielen Freiversuchen wurde leider aus organisatorischen Gründen nicht umgesetzt.

In heftiger Diskussion befindet sich noch der BEGLEITSERVICE für gold-card-hu200-InhaberInnen, da mit Einführung dieses Extras Proteste bei den Normalstudierenden erwartet werden: Weil in Ermangelung genügend Freiwilliger die Studienordnung für Nichtzahlende (Stino-Studordng.pdf) auch verpflichtende Einsätze für diesen Service vorsieht, könnte es hierbei zu blamablen Szenen kommen, die auch durch Inaussichtstellung einer eigenen gold-card (Basisdienste) kaum zu verhindern wären.  Ungeachtet dessen wird sich dieses Extra sicherlich zu einem der beliebtesten entwickeln.

Insgesamt hat hier die EXZELLENZ-HU ein hübsches Paket geschnürt, das in seiner Einfachheit besticht. Es könnte zudem Signalwirkung haben für andere EXZELLENZ-UNIS, die sich mit solchen Angeboten effizient und wirkungsvoll vom schäbigen Rest der Republik weiter distanzieren können: Nach uns die Sintflut der schnöden Lehre! Vorwärts zur liberalen Bildungsoffensive! Auf dass es EXZELLENZ werde!

100 Tage FDP

Geld - Foto von AMagill

Ein Jammer, dass die FDP nicht auch noch das Finanzministerium bekam. Foto: AMagill

Nachdem Anfang 2010 ein Unbekannter dem deutschen Finanzministerium eine Datensammlung von vermutlichen deutschen Steuerhinterziehern angeboten hatte und Volk und Regierung ein entsprechendes Entgeld in Millionenhöhe für richtig hielten, meint der Justizminister von Baden-Württemberg Ulrich Groll (FDP) gegenüber “Bild am Sonntag”, dass er den Ankauf von “illegal erworbenen Daten aus rechtsstaatlichen Gründen” ablehne: “Für solche Daten darf kein Steuergeld fließen“.

Warum auch sollten Menschen, die mit viel Aufwand ihre Ersparnisse vor dem deutschen Fiskus versteckt haben, für ihre eigene Entdeckung bezahlen? Das wäre ja so, als ob man den örtlichen Polizisten, die bislang noch nichts von der im Keller versteckten Leiche gewusst haben, einen sehr teuren und frisch im Karstadt geklauten Präsentkorb nebst Wegbeschreibung zum besagten Keller zusenden würde! Völlig irrsinnig – zumal es bei Galeria Kaufhof viel hübschere Präsentkörbe gibt! Genau so sinnfrei wäre es, als Besitzer einer mittelgroßen Waffenschmiede für wüstentaugliche Vierbettzelte der LINKEN eine Millionenspende zukommen zu lassen in der Hoffnung, dass sich damit die Chancen auf einen Einmarsch der Bundeswehr im Iran um einen halben Mehrwertsteuersatz erhöhen ließen! So einfach ist das eben nicht!
Der Fluss der Steuergelder ist nicht nur knapp und in wüsten Gebieten wie beispielsweise dem mittleren Osten von Westsachsen (Wurzen!) nahezu ausgetrocknet – nein, da sind ja auch noch erhebliche Nebenflüsse zu speisen und zu laben: Bankenfonds, Opels, Karstädte, ein von der FDP liebevoll geführtes Entwicklungshilfeministerium und inzwischen auch ganze südländische Inselstaaten – vom notleidenden Mittelstand der Apotheker gar nicht erst zu reden.  Da kann der deutsche Milchbauer noch so viel frisch gezapfte Weiße hinterher gießen -  aus dem Fluss der Steuern und Abgaben ist längst ein Rinnsal geworden, ehe es für irgendwelche Datenankäufe auch noch reichen könnte.

Zumal die Steuersünder (ein hübsches, unschuldiges Wort – und passend, kann man sich doch per Ablaßhandel von der Strafe loskaufen) ja gar nicht in die Schweiz geflohen wären, wenn es hierzulande bereits ein EINFACHERES, GERECHTERES und NIEDRIGERES Steuersystem für Besserverdienende vom Schlage eines typischen Schweizer Transittouristen geben würde! Es ist ja völlig ausreichend, auch bei der Einkommensteuer die sozial ausgewogene Kopfpauschale einzuführen: Jeder zahlt wohltätig seine 20.000 Euro im Jahr und Schluss! Damit hätten wir pro Jahr die gigantische Summe von 1600 Milliarden Euro zur Verfügung, die Mehrwertsteuer könnte auf Null gesetzt werden und Deutschland wäre in drei Jahren saniert. Zusätzlich könnten wir jedem bedürftigen Bürger ein nettes Grundeinkommen spendieren (natürlich nur bei täglich mit dem Straßenbesen nachzuweisender Arbeitswilligkeit) und müßten bei krieselnden Pharmaunternehmen künftig auch keinen teuer einzulagernden Impfstoff mehr bestellen! Nein, wir reichen das Geld gleich so weiter – das spart Verwaltungs-, Lager- und Transportkosten in Millionenhöhe, die der Finanzminister gewinnbringend z.B. in RWE-Aktien anlegen könnte, denn die werden mit der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ganz sicher boomen. Wenn der Staat aus diesem Investment kurz vor dem nächsten GAU auch noch rechtzeitig aussteigt (und den richtigen Zeitpunkt zu finden dürfte für einen erfahrenen Börsenguru wie Wein- und Wirtschaftsminister Brüderle ja kein Problem sein) – dann kaufen wir auch noch die weltweiten Verschmutzungsrechte für Radioaktivität auf und damit hat es sich! Was kümmern uns bei einem solchen Ausblick irgendwelche Daten-CD’s aus der Schweiz? Peanuts!
Es ist wirklich ein Jammer, dass die FDP nicht auch noch das Finanzministerium bekam. Sie selbst ist zweifellos davon überzeugt, dass es ihr zusteht. Aus rechtsstaatlichen Gründen.
Foto: AMagill CC BY 2.0

Klimawandel? Jetzt was tun und helfen!

Klimawandel? Ich mach mit!

Zum Ausschneiden

Die Polkappen schmelzen, Eisbären ertrinken und Berlin wird in naher Zukunft Hafenstadt – was für Perspektiven, gerade für die Immobilienindustrie! Der Klimawandel rollt unerbittlich mit dem Charme eines M1-Panzers Richtung Hinterland, Zeit dass auch wir mitmachen.
Und so geht’s: Einfach den obenstehenden Button ausdrucken, ausschneiden und z.B. hinten auf seinen Touareg pappen! Oder auf den Q5 oder gar Q7 (als Zeichen für besonders hohes Engagement!). Sehr schön macht sich der Aufkleber auch auf dem Fluggepäck, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Helfen kann so einfach sein!